Von der guten Seite der Macht
Heuer treten verfrühte Frühlingsgefühle auf. Können Sie sich eigentlich noch erinnern an DÖF mit „Ich bring die Liebe mit!” – Ja? Im Business allerdings regiert doch mehr der Hass.
Nett zu sein ist eine Schwäche, nur die Harten, Starken und Bösen kommen durch (Das meint schließlich schon die Evolutionstheorie, wobei der Tyrannosaurus dieser These sicher widersprechen würde).
Und während draußen seit einem Monat die Sonne lacht, sehe ich nur Schlechtwetter und Grant in den Gesichtern der U-Bahnfahrer dieser Stadt. Damit bereiten sich die Fahrgäste auf den kommenden Arbeitstag vor, um mit finsterer Miene mehr Erfolg zu haben.
Böse zu sein zahlt sich aus. Böse zu sein ist bereits eine Karriere- und Businessstrategie geworden. Mobbing zum durchaus anerkannten Instrument der Mitarbeiter Regulierung und die Ellbogentechnik führt nicht nur im Slalom zu den Spitzenplätzen.
Böse Mädchen kommen bekanntlich überall (hin), während die Braven es nur in den Himmel schaffen. Das Marketing strotzt voller Kriegsvokabel: da schickt man den Kampfpreis in die Schlacht mit dem Konkurrenten, hat ein Arsenal an Waffen zur Verfügung und eine prall gefüllte Kriegskassa.
Der Falter erzielt sein alljährliches Auflagenhoch mit „Best of Böse”; überall gibt es Anleitungen zum Zicken-Terror oder Schlampen-Alarm.
Das Böse ist eben immer und überall (Aufmerksame Leser erkennen hier schon das dritte Songzitat dieser Kolumne).
In unserer Ellbogen-Gesellschaft zählt jeder nur mehr sicher auf sich selbst, und zielt als Klein-Tell dabei nicht auf den Apfel, sondern gleich auf den Kopf; um einen potentiellen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.
Können Sie sich eigentlich noch an die Prähistorie des Internet erinnern: Damals sprach man von Netiquette, also dem Nettsein im Internet. Wenn man sich allerdings heute die Postings auf ORF Online oder Standard.at durchliest, dann sieht man rasch, dass es sich hinter der Maske der Anonymität offenbar leichter böse sein lässt.
Ich breche diesmal eine Lanze (oder ein Licht-Schwert) für das Nette. Also die gute Seite der Macht. Ganz ehrlich - wann waren Sie zum letzten Mal so richtig nett zu jemand? Wann haben Sie den Anzeigen-Keiler gut behandelt, die Kassiererin am Supermarkt als Person betrachtet und zu einem ganz normalen Termin Blumen und Schokolade mitgebracht?
Und ich spreche von nett sein ohne Hintergedanken – das fällt uns besonders schwer. Also nicht Networking (kommt eben nicht von nett), wo man mit Small Talk Freundlichkeit heuchelt, jedoch nur auf den Endzweck - den persönlichen Vorteil – bedacht ist. Nein, ich meine einfach grundlos höflich, freundlich und nett zu sein.
Und ist die böse Seite nicht stärker? „Nein. Nein…nein. Schneller, leichter, verführerischer,” sagt Meister Yoda. Doch auch mit Freundlichkeit, einem Lächeln und Blumen lässt sich gutes Business machen. Probieren Sie es doch einfach aus.
Ich möchte Linda Kaplan Thaler und Robin Koval für die Inspiration zu diesem Kommentar danken, und verspreche, das nächste Mal wieder zu Zynismus zurück zu kommen.
2 Reaktionen zu “Von der guten Seite der Macht”
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Von der guten Seite der Macht
Heuer treten verfrühte Frühlingsgefühle auf. Können Sie sich eigentlich noch erinnern an DÖF mit „Ich bring die Liebe mit!” – Ja? Im Business allerdings regiert doch mehr der Hass.
Nett zu sein ist eine Schwäche, nur die Harten, Starken und Bösen kommen durch (Das meint schließlich schon die Evolutionstheorie, wobei der Tyrannosaurus dieser These sicher widersprechen würde).
Und während draußen seit einem Monat die Sonne lacht, sehe ich nur Schlechtwetter und Grant in den Gesichtern der U-Bahnfahrer dieser Stadt. Damit bereiten sich die Fahrgäste auf den kommenden Arbeitstag vor, um mit finsterer Miene mehr Erfolg zu haben.
Böse zu sein zahlt sich aus. Böse zu sein ist bereits eine Karriere- und Businessstrategie geworden. Mobbing zum durchaus anerkannten Instrument der Mitarbeiter Regulierung und die Ellbogentechnik führt nicht nur im Slalom zu den Spitzenplätzen.
Böse Mädchen kommen bekanntlich überall (hin), während die Braven es nur in den Himmel schaffen. Das Marketing strotzt voller Kriegsvokabel: da schickt man den Kampfpreis in die Schlacht mit dem Konkurrenten, hat ein Arsenal an Waffen zur Verfügung und eine prall gefüllte Kriegskassa.
Der Falter erzielt sein alljährliches Auflagenhoch mit „Best of Böse”; überall gibt es Anleitungen zum Zicken-Terror oder Schlampen-Alarm.
Das Böse ist eben immer und überall (Aufmerksame Leser erkennen hier schon das dritte Songzitat dieser Kolumne).
In unserer Ellbogen-Gesellschaft zählt jeder nur mehr sicher auf sich selbst, und zielt als Klein-Tell dabei nicht auf den Apfel, sondern gleich auf den Kopf; um einen potentiellen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen.
Können Sie sich eigentlich noch an die Prähistorie des Internet erinnern: Damals sprach man von Netiquette, also dem Nettsein im Internet. Wenn man sich allerdings heute die Postings auf ORF Online oder Standard.at durchliest, dann sieht man rasch, dass es sich hinter der Maske der Anonymität offenbar leichter böse sein lässt.
Ich breche diesmal eine Lanze (oder ein Licht-Schwert) für das Nette. Also die gute Seite der Macht. Ganz ehrlich - wann waren Sie zum letzten Mal so richtig nett zu jemand? Wann haben Sie den Anzeigen-Keiler gut behandelt, die Kassiererin am Supermarkt als Person betrachtet und zu einem ganz normalen Termin Blumen und Schokolade mitgebracht?
Und ich spreche von nett sein ohne Hintergedanken – das fällt uns besonders schwer. Also nicht Networking (kommt eben nicht von nett), wo man mit Small Talk Freundlichkeit heuchelt, jedoch nur auf den Endzweck - den persönlichen Vorteil – bedacht ist. Nein, ich meine einfach grundlos höflich, freundlich und nett zu sein.
Und ist die böse Seite nicht stärker? „Nein. Nein…nein. Schneller, leichter, verführerischer,” sagt Meister Yoda. Doch auch mit Freundlichkeit, einem Lächeln und Blumen lässt sich gutes Business machen. Probieren Sie es doch einfach aus.
Ich möchte Linda Kaplan Thaler und Robin Koval für die Inspiration zu diesem Kommentar danken, und verspreche, das nächste Mal wieder zu Zynismus zurück zu kommen.
2 Reaktionen zu “Von der guten Seite der Macht”
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Helmut Schleich
Am 5. Mai 2007 um 13:55 UhrWas ich auch schon immer sagen wollte, jedoch an Zeit und Formulierungskreativität scheiterte.
Und zu Kassiererinnen, Wurstverkäuferinnen und Greenpeace-Keilern bin ich meistens freundlich.
Jedenfalls versuche ich´s. Und der Versuch ist schon viel wert. lg, Helmut -
Antonio Beermann
Am 18. Juli 2007 um 09:01 UhrEndlich - ich mache dieses Experiment seit ~ 20 Jahren. Schenken Sie jemanden (wie sie es beschrieben haben) ein nettes ehrliches Lächeln - selten wird der/diejenige umhin kommen und nicht ein kleines Lächeln zurückschicken. Und wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist - könnte man viel öfter nett sein, auch wenn man gerade den Bus verpasst hat, ein Auto kaputt gegangen ist oder sonst etwas passiert ist. Lächeln ist auch einfacher als man glaubt, man muss es nur wollen, …
… auch wenn ich schon oft durch meine Nettigkeit eingeschaut habe, habe ich sicher viel öfter dadurch gewonnen - für mich und den/die anderen


Am 5. Mai 2007 um 13:55 Uhr
Was ich auch schon immer sagen wollte, jedoch an Zeit und Formulierungskreativität scheiterte.
Und zu Kassiererinnen, Wurstverkäuferinnen und Greenpeace-Keilern bin ich meistens freundlich.
Jedenfalls versuche ich´s. Und der Versuch ist schon viel wert. lg, Helmut
Am 18. Juli 2007 um 09:01 Uhr
Endlich - ich mache dieses Experiment seit ~ 20 Jahren. Schenken Sie jemanden (wie sie es beschrieben haben) ein nettes ehrliches Lächeln - selten wird der/diejenige umhin kommen und nicht ein kleines Lächeln zurückschicken. Und wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist - könnte man viel öfter nett sein, auch wenn man gerade den Bus verpasst hat, ein Auto kaputt gegangen ist oder sonst etwas passiert ist. Lächeln ist auch einfacher als man glaubt, man muss es nur wollen, …
… auch wenn ich schon oft durch meine Nettigkeit eingeschaut habe, habe ich sicher viel öfter dadurch gewonnen - für mich und den/die anderen