Ein Beitrag zum Debakel der Nation
Veröffentlicht am 12. Februar 2007Ich darf die Augen nicht verschließen, es ist meine moralische und erbliche Pflicht auch öffentlich Stellung zu beziehen, zu einer dunklen Stunde in der Geschichte der zweiten Republik.
Ein Debakel, ein Fiasko, eine Watsch’n, eine Demütigung, eine Niederlage, eine Abfuhr, eine Enttäuschung, ein Versagen, ein Mißlingen, eine Zusammenbruch, eine Bankrott-Erklärung, ein Reinfall, eine Pleite, eine Schlappe, eine Blamage, eine kalte Dusche, ein Schiffbruch, ein Umfallen, ein zweites Färöer.
Sie wissen schon? Aare - WM Abfahrt.
Der Sieg wurde uns alle gestohlen, dabei brennen mir heute die Oberschenkel und in meinem Schädl pfeifen die Komantschen von den Frust-Vierteln nach dem Waterloo. Sofort werden schmerzhafte Erinnerungen an das legendäre Wunderwachs der Schweitzer wach.
Die Frage, ob der Weltmeister verdient ist oder nicht stellt sich erst gar nicht, denn wirklich verdienen tun es ohnehin nur wir. (Und wir, wir sind die Sieger, wir die größten Nicht-Verlierer*). Aber jetzt wird es Zeit für eine neue Zeit. Vergessen sind die Erfolge längst vergangener Epochen.
Und jetzt - weil in Österreich eine Peinlichkeit allein selten ausreicht - eskaliert auch noch der Kuhhaut Streit zwischen dem Herminator und dem Assi. Und Hermann, der letzte Germanische-Held, schwingt die verbale Streitaxt natürlich wie es sich gehört via Blog auf einer Website. Und auch wenn er mit dem griffigen Schweden-Schnee nicht so zurecht kam, kantet er doch mit griffigen Sprüchen - hier klare Bestzeit für Maier, der mit den vielen Zugriffen seine Website lahmlegt. Eine weltmeisterliche Leistung.
Übrigens ist diese WM noch eine Argument mehr für Schladming als Austragungsort: Dort haben wir endlich unseren eigenen Schnee.
Aber der Bennie wird’s schon richten …
*) Quiz-Frage: wer kann sich noch an dieses geniale Lieder erinnern?
Das war Marketing von gestern
Veröffentlicht am 12. Februar 2007Google lehrt die Agenturen das Fürchten, steht so schön in der aktuellen Ausgabe von economy. Das glaube ich aber nicht, denn bekanntlich sind klassische Agenturen und alt eingesessene Werbe-Berater garantiert furcht- und beratungsresistent.
Alles wird bleiben und alles wird damit auch immer besser - behaupten schon ÖVP und ORF, wobei die positiven Trends mit freien Augen kaum wahrnehmbar sind. Einspruch! Sicher könnten Marktstudien genau das Gegenteil beweisen.
Wobei, eurer Ehren, es ist mir egal - Einspruch abgelehnt. So locker heute auch Imponier-Vokabeln wie Web 2.0 über die Lippen jedes frisch gefangenen Marketing-Assistenten kommen - so 08/15 sind wir doch in der Praxis.
Das was überall - für zugegeben teures Geld - als Online Marketing verkauft wird, entpuppt sich beim aufmachen als schöner Wunderbra, der viel verspricht, aber einen dann doch nur hängen lässt. Einspruch! Sexistische Bemerkung.
Ok, zugegeben, Geschmäcker sind verschieden, einer mag Birnen der andere Äpfel - vielleicht stehen viele Unternehmen auf den Optik-Effekt ohne befriedigendes Erfolgserlebnis. Naja mir kann das egal sein - denn wer Online-Marketing in Zukunft wie ein alter Feldherr fährt, wird garantiert sein Waterloo erleben. Oder um es mit den Lyrics von Robinson zu sagen: Das war Marketing von gestern, aber gestern ist vorbei…
Manchmal seh’ ich alte Banner
mit fixem Platz für viele Jahr’
Ganz klein ist da die Klicker-Rate,
denn da war Humphrey Bogart drin.
Nicht zu vergessen die Agentur’n
der Lugi Schober mit weiß’n Frack
der kleine Demner und Konsorten
da splittert schon der alte Lack.
Das war Marketing von gestern
Das war Marketing von gestern
aber gestern ist vorbei…
Und das Geschäft mit Provisionen
das macht den Werbeplaner froh
einmal gebucht und stets kassiert
Heut’ gibt es sowas nirgendwo.
Das war Marketing von gestern
Das war Marketing von gestern
aber gestern ist vorbei…
Manchmal seh ich alte Hunde
Erfolg wird dabei nie gemessen,
bauen Websites wie vor Jahren.
Ja, das ist wirklich zu vergess’n…
Das war Marketing von gestern
Das war Marketing von gestern
aber gestern ist vorbei…
[Anm.: Bald als Klingelton im Jamba SparAbo zu haben]
Hallo Website 2.0, Blog sei Dank!
Veröffentlicht am 9. Februar 2007Endlich, sind wir auch upgegradet. Allerdings nicht in die erste Klasse, sondern in das 2.0 (gesprochen: Zwei Punkt Null) Zeitalter. Neben dem Mashup gibt es jetzt natürlich auch einen Blog - nein, nicht irgendeinen, sondern meinen.
Web 2.0 sei Dank - jetzt kann ich mir endlich Frust und Lust von der Seele tippen, statt Magengeschwür hab ich in Zukunft höchstens noch Blasen auf den Fingern.
Über wen oder was - wird die spitze Feder hier schreiben. Keine Ahnung - lassen Sie sich einfach überraschen. Und wenn es Ihnen gefällt, empfehlen Sie mich weiter, wenn es Ihnen nicht gefällt, dann empfehlen Sie sich.
Video is the Internet Star
Veröffentlicht am 8. November 2006Als ich heute in der Früh das morgendliche Homevideo vom Zähneputzen filmte, hörte ich es im Radio: Der Such-Tycoon Google kauft den Video-King Youtube. Als ich dann das Morgen-Geschäft im Kasten hatte, beschloss ich diesmal darüber zu philosophieren, warum die Leute jeden Scheiß filmen und dann auch noch begeistert anschauen. Worin liegt dieser Reiz, seine Reize mit der restlichen Welt zu teilen?
Zunächst einmal profitieren all diese User-Content Pages von den Exhibitionisten und Voyeuren, wobei Männer tendenziell lieber schauen und Frauen gerne zeigen. Deshalb dürfen Mann und Frau das Web allerdings auch nicht als Sammelpunkt von lauter Spannern und Spinnern verteufeln. Denn dieser kognitive Coitus ist nur eine Facette des Erfolges der privaten Peepshows.
Die fundamentale Kommunikations-Funktion des Internets liegt im „teilen und verbreiten.“ Mit dem Web ist es möglich, dass sich jede und jeder der ganzen Welt mitteilt.
Wer früher unter der Dusche gesungen hat, konnte nur bei geöffnetem Fenster und entsprechender Lautstärke auf Publikum hoffen. Und im Cyber-Age: Video aufnehmen, auf Youtube, Myspace & Co. stellen und innerhalb eines Tages haben es tausend auf der ganzen Welt gehört und sogar kommentiert. „Everybody can be a star for 1 second“, aber dahinter steckt nicht Wunsch nach Ruhm, sondern ein Schrei nach Leben.
Denn die Virtualisierung unseres Lebens, die Flucht in die Internetsucht (zuletzt sogar bei der Fernsehsendung „Primavera“) führt zu einer zunehmenden Lähmung der Individuen.
Diese Lähmung betrifft in erster Linie den Körper – mittlerweile ein Körper eines mit interaktiven Prothesen überrüsteten Nicht-Behinderten, dessen Vorbild der Behinderte geworden ist, der mit entsprechenden Hilfsmitteln seine Umwelt kontrollieren kann, ohne sich physisch fortzubewegen. Das fehlende bewegte, dörfliche oder familiäre Leben wird ersetzt vom Cyberlife. Und paradoxer Weise wünschen wir uns in diesem Paralleluniversum das echte Leben zurück: Deshalb boomen Realityserien und Home-Videos. Offenbar geilt es uns viel mehr auf, scheinbar echte durchschnittliche Personen von nebenan zu sehen, als durchgestylte Schauspieler.
Kann man daraus etwas für das E-Business lernen? Aber natürlich: Geben Sie den Menschen ein Leben, sie werden es ihnen danken. Das funktioniert für Amazon und E-Bay, und das hat die beiden fröhlichen Youtube-Gründern Chad und Steve immerhin um 1.650.000.000.000,– Dollar (= 1.65 Milliarden US Dollar) reicher gemacht.
Noch was: Das hat alles nichts mit Web 2,0 zu tun. Basta!

